Reform des Urheberrechts anstatt dessen Zementierung durch ACTA

Gestern wurde erneut europaweit zu Demonstrationen gegen das Handelsabkommen ACTA aufgerufen. Die Anzahl der Demonstranten, die es auf die Straßen zog, war weit geringer, als am 11.02., dennoch würde ich von einer erfolgreichen Aktion sprechen. In den vergangenen 2 Wochen hat sich einiges getan. Die Ratifizierung wurde von einigen Ländern, darunter auch Deutschland, aufgrund von diversen Bedenken und Unsicherheiten ausgesetzt. Mehrheitlich scheint man wohl auf die Meinung des EU Parlaments zu warten, das eigentlich schon bald über eine Unterzeichnung abstimmen sollte. Allerdings soll der Vertrag nun zunächst dem Europäischen Gerichtshof zur Prüfung vorgelegt werden. Wenn ich das richtig mitbekommen habe, möchte das Parlament erst danach abstimmen. Kurz gesagt bedeutet das Verfahren eine enorme Verzögerung. Der öffentliche Druck der letzten Wochen hat also eine beeindruckende und gute Wirkung gezeigt. Dementsprechend dürfte auf den Straßen erstmal etwas Ruhe einkehren – tendenziell ist glaube ich erst im Sommer wieder mit Demos zu rechnen. Aber das Thema muss natürlich weiterhin aufmerksam verfolgt werden.

Eigentlich möchte ich in diesem Artikel etwas spezieller auf die Unvereinbarkeit des bestehenden deutschen Urheberrechts mit dem Internet und dessen moderner Nutzung eingehen. Schon in der Vergangenheit gab es Befürchtungen über Abmahnwellen in sozialen Netzwerken. Von mehreren Tausend Euro „Wert“ je durchschnittlichem Facebook Profil war da die Rede. Abgesehen von den vielen anderen Gründen, sollte man auch deshalb sein Profil nicht öffentlich für Jedermann zugänglich machen. Zugegeben, in der Praxis mag das bisher wohl nicht groß vorkommen, da die Abmahnanwälte noch andere Ziele im Visier haben.
Für mich ist klar, dass das bestehende, in analogen Zeiten entstandene, deutsche Urheberrecht einfach veraltet ist. Die moderne Internetnutzung, wie sie spätestens seit dem Web 2.0 besteht, lässt sich nicht mit geltendem Recht vereinbaren. So dürfte ein Großteil der Nutzer, die sich aktiv im Web beteiligen, bewusst oder wahrscheinlicher unbewusst, gegen geltendes Recht verstoßen. Das Weiterverteilen von Texten, Links, Bildern, Videos, Zitaten usw. ist allerdings heutzutage ein alltäglicher Vorgang. In der heutigen Wissensgesellschaft ist der freie Austausch von Informationen unabdingbar. Wissen verteilt sich freier und schneller, als jemals zuvor. Da aber schon das Verteilen eines Nachrichtenartikels mit Vorschaubild (welches aus dem Artikel „geklaut“ wird) gegen das Urheberrecht verstößt, ist das kein akzeptabler Zustand. Ich rede hier also keinesfalls von kriminellen Machenschaften, sondern von denkbar harmlosen Aktivitäten. Die Facebook Aktion letztes Jahr, bei der Tausende Nutzer ihr Profilbild gegen eine Comicfigur tauschten, verstoß massiv gegen Urheberrechte!

Zu diesem Thema ein sehenswertes Video, das kontrovers an das Thema herangeht:

Desweiteren finde ich gar nicht, dass die junge Generation die Arbeit und den daraus enstehenden Wert von Musik und Filmen nicht wertschätzt und alles kostenlos konsumieren will. Das Problem ist eher, dass statt der Kreativen, die mächtige Unterhaltungsindustrie einen Großteil des Profits einstreicht und auf ihre Macht und althergebrachten Vertriebswege besteht und diese mit aller Gewalt verteidigen will. ACTA ist dabei nur ein Versuch der Industrie, die Politik als Marionette zu benutzen. Das Urheberrecht wird verschärft, die veränderte Mediennutzung außer Acht gelassen.
Stattdessen ließe sich mit neuen Ideen und Wegen viel erreichen. Warum kann man beispielsweise problemlos auf illegalem Wege komfortabel einen Film streamen, ähnliche legale Vertriebswege sind aber umständlich, technisch schwach umgesetzt oder gar nicht erst existent?

Aber spätestens nach dem Internet wird die Welt wieder in Ordnung sein! (Schaut das Video an…! 🙂 )

Abschließend möchte ich euch noch einen Artikel aus der FAZ mitgeben.

Zusammenfassend steht für mich deshalb fest, dass ACTA in die völlig falsche Richtung geht. Eine anständige Urheberrechtsreform ist das, was wir brauchen!

Edit: Habe gerade eben noch einen sehr interessanten Beitrag des Deutschlandfunks gefunden: Netz contra Politik: ACTA und der Kampf ums Urheberrecht


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